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Profanierung von St. Paulus in Tönning

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Abschied von St. Paulus an der Eider

Der Christkönigssonntag, der 22. November 2020, war nicht leicht für die Katholiken von Eiderstedt. Etwa 50 Menschen waren gekommen, um den letzten Gottesdienst in der 1972 benedizierten Kirche in Tönning zu feiern. Alles half nichts, um die Profanierung nach „vorrangig wirtschaftlichen Gründen“, wie es in der von Erzbischof Stefan Heße unterzeichneten Urkunde heißt, abzuwenden. Auch für Pfarrer Gouèn war es keine leichte Aufgabe, doch er sieht die Entscheidung letztlich von der großen Mehrheit der Gemeinde getragen. Nach Bredstedt und Leck ist es nunmehr die dritte Kirche, die er zu profanieren hat, bevor Ende Februar die neue Pfarrei St. Knud an den Start geht – der Pastorale Raum der Pfarreien von Sylt, Niebüll und Husum.

 

Pfarrer Gouèn hatte mit seinen Fragen zur wirtschaftlichen Situation in den Gremien nicht hinter dem Berg gehalten und die Schließungsthematik für drei der ehemals 13 Kirchstandorte auf die Tagesordnung gesetzt. Denn die Gründung der neuen Pfarrei will er mit positiver Energie beginnen und nicht mit ungeregelten Schließungsfragen belasten. Dennoch: „Wenn wir nun Abschied nehmen von St. Paulus, den Steinen hier in Tönning, so können wir doch Paulianerinnen und Paulianer bleiben – im Herzen“, sagt er, bevor er die Profanierungsurkunde verliest. Zuvor hat er in der Predigt auf das Vorbild des Apostels Paulus verwiesen, der ein Vorbild für die Ökumene sei. Pfarrer Gouèn fordert „mit Freude neue Formen der Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche zu entwickeln und zu fördern“. Das heißt unter anderem, dass er denjenigen Gläubigen, die nicht mobil genug sind, um nach St. Peter-Ording, Husum oder nach Friedrichstadt zur heiligen Messe zu fahren, ein klares Signal geben will, evangelische Gottesdienste in Tönning zu besuchen, wie er später erläutert. Gouèn: „Man kann katholisch sein in einer evangelischen Kirche.“

 

Dennoch ist die Trauer groß und bei einigen ist auch Wut und Enttäuschung zu spüren. Was mit dem Kirchengebäude passieren wird, ist noch unklar. Pfarrer Gouèn sagte, er strebe „einen möglichst offenen Beschluss“ an, um von anderen Nutzungen bis zum Verkauf alle Optionen zu haben.

 

Quelle: Marco Heinen, in: neue Kirchenzeitung, Nr. 48 vom 29. November 2020