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Etwas zum Nachdenken

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Der Alltag steht Kopf - und viele denken neu...

Heute erreichte mich (Christoph Mainka) ein Text, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.
Viel Freude beim Grübeln...

Text von Raffaele Morelli, Philosoph und Psychiater:

"Ich glaube, dass das Universum, wenn seine Gesetze auf den Kopf gestellt werden, eine Art findet, die Dinge zu regeln und auszugleichen. Dieser Augenblick, den wir erleben, mit all seinen Anomalien und Paradoxon, gibt zu denken....

Zu einer Zeit, in der der durch ökologische Schäden verursachte Klimawandel besorgniserregende Dimensionen erreicht, ist es China, gefolgt von weiteren Ländern, die zum Stillstand gezwungen sind. Die Wirtschaft kollabiert, aber die Umweltverschmutzung wird verringert. Die Luft wird reiner. Wir benutzen Schutzmasken, aber atmen.

In diesem historischen Moment, in dem bestimmte Ideologien und ausgrenzende Politik mit starkem Bezug auf die schlimme Vergangenheit weltweit Auftrieb erleben, taucht ein Virus auf, der uns erleben lässt, was es heißt, die Ausgestossenen zu sein, die Diskriminierten, die an den Grenzen festgehalten werden, weil sie die Krankheit übertragen. Und das, obwohl wir keine Schuld haben. Obwohl wir weiss sind, westlich, und in der Business Class reisen.

In einer Gesellschaft, die auf Produktivität und Konsum ausgerichtet ist, die uns auferlegt, 14 Stunden am Tag zu hetzen und Dingen hinterherzurennen, deren Sinn uns selbst nicht klar ist, ohne freien Samstag, ohne freien Sonntag, ohne freien Tage im Kalender, ereilt uns von einem Moment auf den anderen der Stopp.

Stillstand. Alle zu Hause. Tag um Tag.

Klarkommen müssen mit der Zeit, deren Wert, weil nicht messbar in Geld, wir verloren haben. Wissen wir noch damit umzugehen?

In einer Zeit, in der wir das Grossziehen unserer Kinder, oft notgedrungen, an Andere und öffentliche Institutionen delegiert haben, schließt das Virus die Schulen und zwingt uns, alternative Lösungen zu finden, Mütter und Väter mit den eigenen Kindern zusammenzubringen. Es zwingt uns, Familie neu zu erleben.

In einer Dimension, in der Beziehungen, Kommunikation, Miteinander hauptsächlich in einem virtuellen, nicht wirklichem Raum gespielt werden, in den sozialen Netzwerken, die uns ein Nahesein vorgaukeln, nimmt uns das Virus die Möglichkeit der realen Nähe zueinander; berühren, küssen, umarmen ist nur noch auf Distanz möglich, in der Kälte des Nicht-Kontaktes. Und wie selbstverständlich waren doch all diese Gesten und ihre Bedeutungen.

In einer sozialen Phase, in der es normal war, zuerst auf die eigenen Befindlichkeiten zu achten, gibt uns das Virus eine klare Ansage: der einzige Weg, um es zu überwinden, ist der gemeinsame, auf Gegenseitigkeit bedacht, mit dem Bewusstsein, einer Gemeinschaft anzugehören, dem Gespür dafür, Teil eines größeren Ganzen zu sein, für das wir alle Sorge tragen sollten, da es für uns sorgt. Geteilte Verantwortung und das Bewusstsein, dass von den eigenen Taten nicht nur jeder selbst betroffen ist, sondern alle anderen um einen herum, und dass man selbst von den anderen abhängig ist.

Drum, wenn wir es seinlassen mit der Hexenjagd, der Frage nach den Schuldigen oder warum gerade uns das passieren muß, sondern stattdessen uns fragen, was wir daraus lernen können, haben wir viel zum Nachdenken und Lehren ziehen.

Denn offensichtlich haben wir mit dem Universum und seinen Gesetzen eine offene Rechnung, wir stehen in der Kreide. Das macht uns gerade teuer das Virus klar."